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Steckbrief: Mauricio Macri

Der gewählte Präsident Mauricio Macri ist 56 Jahre alt, Präsident der konservativen Partei PRO und Bürgermeister von Buenos Aires. Hier der Steckbrief.

Mauricio Macri encabezó la adjudicación de rutas a cooperativas de recuperadores urbanos (7797603746)

Mauricio Macri bei einem Auftritt als Bürgermeister. Foto: Gobierno de la Ciudad de Buenos Aires / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

Seit 2007 führt Mauricio Macri als Bürgermeister - offiziell: Regierungschef - die argentinische Hauptstadt Buenos Aires. Seine Partei, die konservativ-wirtschaftsliberale Propuesta Republicana (Pro) ging 2010 aus einer regionalen Wahlallianz hervor und ist inzwischen drittstärkste Kraft im Land hinter der peronistischen PJ und der sozialliberalen UCR.

Macri, von Beruf Bauingenieur, stammt aus einer wohlhabenden Unternehmerfamilie und wurde in Tandil im Süden der Provinz Buenos Aires geboren. Sein in Italien geborener Vater Francisco "Franco" Macri baute eine mächtige Unternehmensgruppe auf, die hauptsächlich im Baugewerbe, der Müllverarbeitung, im Postwesen sowie in der Automobil- und Nahrungsmittelindustrie aktiv ist. Nach verschiedenen Aktivitäten in der Privatwirtschaft trat Mauricio Macri 1995 als Präsident des Sportvereins Boca Juniors stärker an die Öffentlichkeit, dessen Fußballmannschaft damals mehrere internationale Titel gewann. Dieser Schritt wird allgemein als Emanzipation vom übermächtigen Vater gewertet, der seinen Erstgeborenen lieber als Erben des eigenen Konzerns gesehen hätte.

2003 wagte Macri den Sprung vom Fußball in die Politik. Es gelang ihm in diesem Jahr, gleich bei seinem ersten Wahlantritt für das Bürgermeisteramt der Hauptstadt die Stichwahl zu erreichen. Er unterlag aber dort Aníbal Ibarra. 2007 schaffte er dann den ersehnten Sprung an die Spitze der Hauptstadt. Doch ließ er wenig Zweifel daran, dass er höhere Ziele hatte: das Präsidentenamt.

In den folgenden Jahren fusionierte er seine Regionalpartei CPC mit dem UCR-Ableger Recrear zur Propuesta Republicana (PRO). Es gelang ihm, die Herrschaft in Buenos Aires zu festigen und PRO in den letzten Jahren auch auf andere Provinzen wie Santa Fe, Córdoba und Entre Ríos auszudehnen. Bündnisse schmiedete er besonders mit den Interessenverbänden des Agrarsektors, der seit einem Konflikt um Exportabgaben 2008 mit der Kirchner-Regierung im Clinch steht. Immer wieder brachte er sich als Präsidentschaftsanwärter ins Gespräch. 2011 zog er jedoch seine Kandidatur zurück, da er sich wenig Chancen gegen die damals auf dem Höhepunkt der Beliebtheit stehende, gerade Witwe gewordene Cristina Kirchner ausrechnete. 2015 ist ihm nun der Sprung auf den "Sessel Rivadavias" gelungen.

Politisch stand Macri lange für einen wirtschaftsliberalen, unternehmerfreundlichen Kurs. Konservative, rechtslastige Positionen, die seine Rhetorik in der Anfangszeit dominierten, hat er im Laufe der Zeit aufgeweicht: Von einem Kritiker wurde er zum Befürworter der gleichgeschlechtlichen Ehe, und Verstaatlichungen wie etwa die der Erdölgesellschaft YPF lehnt er nicht mehr ab. Er präsentiert sich heute als moderner Liberaler mit sozialem Anstrich, und selbst die wirtschaftsliberalen Aspekte traten im Wahlkampf in den Hintergrund. Stattdessen versprach er eine verstärkte Armutsbekämpfung und ein großes Infrastruktur-Programm.

Als Architekt seines Erfolgs gilt der ecuadorianische Politmarketing-Spezialist Jaime Durán Barba, der mit modernen Designs, viel Farbe und Spezialeffekten bei den Wahlkampfauftritten Macris eine für Argentinien neue Propaganda-Ästhetik begründete. Sein politisches Idol ist der ehemalige UCR-Präsident Arturo Frondizi, der ab 1958 mit einer sanften Liberalisierung die argentinische Industrie für Kooperationen mit dem Ausland öffnete und wirtschaftlich mit dem Rezept des "Desarrollismo" erfolgreich war - bis er 1962 von den Militärs weggeputscht wurde.

In seiner Regierungszeit in Buenos Aires sorgte Macri vor allem mit Baumaßnahmen für Aufsehen. So wurden Busspuren unter der Marke "Metrobus" eingerichtet, die Fußgängerzone im Mikrozentrum erweitert und verschönert, aber auch ein wichtiger Bach kanalisiert und damit die Überschwemmungsgefahr verringert. Die Einrichtung der eigenen Polizeidivision Metropolitana wurde ebenfalls von Macri veranlasst - vor seinem Antritt war allein die Bundespolizei für die Sicherheit der Hauptstadt zuständig gewesen. Kritiker verweisen darauf, dass es ihm trotz der hohen Wirtschaftsleistung der Stadt nicht gelang, die Armut in Buenos Aires zu bekämpfen. Die Elendsviertel sind seit 2007 gewachsen, und Macri sträubte sich lange gegen eine Urbanisierung durch Stadtteilverbesserungsprogramme, die in anderen Teilen Argentiniens bereits erfolgreich angewendet wurden. Auch soll er Gelder, die für den Ausbau der U-Bahn vorgesehen waren, für den Straßenbau verwendet haben und mit dem "Metrobus" ein preisgünstigeres, der Größe der Stadt aber nicht angemessenes Nahverkehrskonzept priorisiert haben.

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