Sie sind hier

Papst Franziskus wird vom argentinischen Medienkrieg erfasst

Der neue Papst Jorge Mario Bergoglio, ehemals Erzbischof von Buenos Aires und unter dem Papstnamen Franziskus bekannt, sorgt in seiner Heimat für Kontroversen. Zwar sind viele Argentinier, von denen die überwältigende Mehrheit Katholiken sind, stolz auf "ihren" Papst. Doch der argentinische Medienkrieg, der auf der einen Seite von Vertretern der Clarín-Gruppe und der Zeitung La Nación sowie auf der anderen Seite von den "kirchneristischen" Medien wie Página 12, Tiempo Argentino und dem staatlichen Fernsehsender Canal 7 ausgetragen wird, hat nun auch den neuen Pontifex erfasst.

Es begann mit den Schlagzeilen nach Bergoglios überraschenden Wahl zum Papst am 13. März. Während die meisten Zeitungen euphorische oder zumindest wohlwollende Schlagzeilen wählten, titulierte Página/12 "¡Dios Mío!" ("Mein Gott!"), übrigens ähnlich wie die deutsche "tageszeitung" im Jahr 2005 bei der Wahl Joseph Ratzingers. In der Papstausgabe der ehemals linken, heute äußerst regierungsnahen Zeitung kam dann auch gleich Bergoglios Hauptkritiker zu Wort: der Journalist Horacio Verbitsky, einer der führenden Autoren, die sich mit der Militärdiktatur und ihren vielfältigen gesellschaftlichen Verstrickungen befasst haben.

Verbitsky zitierte Opfer der Militärdiktatur, die auf die Wahl Bergoglios mit Entsetzen reagiert haben sollen. Der Vorwurf, der auch in deutschen Medien bereits ausgeschlachtet wurde: Bergoglio soll sich in der Militärdiktatur, während der er das Oberhaupt der argentinischen Sektion des Jesuitenordens war, zumindest ungeschickt verhalten haben. Er soll beispielsweise zwei Jesuiten den Schutz entzogen haben, die dann in den illegalen Gefängnissen der Militärs mehrere Monate lang festgehalten und gefoltert wurden.

Unabhängig davon, ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht, ist die Behandlung des Themas in den Medien bezeichnend für den Konflikt in der Presse Argentiniens. Ab dem Tag nach der Papstwahl schossen die konservativen Medien zurück und zeigten sich in ihren Online-Ausgaben entrüstet über die Anschuldigungen von Página/12 und Verbitsky. Es wurden zahlreiche Zeitzeugen und Berühmtheiten zitiert, die Bergoglio entlasten sollten. Darunter war Nobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel. Clarín und La Nación stellten die Vorwürfe gegen den neuen Papst als Hetzkampagne der Kirchneristen dar, ohne genau darauf einzugehen, dass Verbitsky seine Position bereits seit den 1980er Jahren vertritt, als die Kirchners noch nicht einmal in der Provinz Santa Cruz an der Macht waren. Página/12 veröffentlichte daraufhin weitere Bergoglio belastende Artikel und Stellungnahmen.

Man muss dazu sagen, dass der Kirchnerismo und Bergoglio in der Vergangenheit mehrmals aneinandergeraten waren. Unvergessen ist beispielsweise Bergoglios scharfe Rhetorik gegen die Homo-Ehe, eines der Prestigeprojekte der Kirchner-Regierung, mit der diese ihr linkes Profil zu konsolidieren versuchte. Bergoglio bezeichnete die Homo-Ehe als Plan des Teufels. Cristina Kirchner hatte damals mit scharfer Munition zurückgeschossen: Die Kirche vertrete eine Position wie während der Inquisition im Mittelalter. Auch das gute Verhältnis Bergoglios zum konservativen Bürgermeister von Buenos Aires Mauricio Macri war den Kirchneristen wohl ein Dorn im Auge.

Mittlerweile hat sich Cristina Kirchner mit Papst Franziskus im Vatikan getroffen und es kam wohl zu einer Aussprache, in der zumindest ein Waffenstillstand vereinbart wurde. Ob Cristina Kirchners emotionale Reaktion auf ihre erste Begegnung mit Bergoglio nach der Papstwahl echt war, kann nur spekuliert werden. Sicherlich kann es sich Kirchner im Wahljahr nicht leisten, die Katholiken Argentiniens zu vergraulen.

Damit scheint der Medienkrieg um den Papst in den letzten Tagen auch etwas an Verve verloren zu haben. Es bleibt ein weiteres Paradebeispiel für die Spaltung Argentiniens und seiner Medienlandschaft stehen.

Theme by Danetsoft and Danang Probo Sayekti inspired by Maksimer