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Kurioses und unnützes Wissen rund um Argentinien

Auch in Argentinien haben sich zahlreiche Kuriositäten zugetragen. Hier finden Sie allerlei Kurioses über Argentinien, unnütze und kaum bekannte Rekorde und andere Dinge, die man in kaum einem Reiseführer finden wird ....

Naturwissenschaften und Geografie

  • Die wohl kleinste Sandwüste der Welt ist Los Altos Limpios in der Provinz Mendoza. Sie ist 700 Meter lang und 300 Meter breit und bietet perfekt geschwungene Sanddünen, die auf vielen Touristen-Prospekten der Provinz Mendoza zu sehen sind - um sie herum findet man "stinknormale" Dornbuschsteppe.
  • Der größte Saurier der Welt wurde im Süden Argentiniens gefunden und heißt folgerichtig Argentinosaurus. Der Koloss, der vor 100 Millonen Jahre durch die Provinz Neuquén stapfte und sich trotz seiner enormen Kraft rein vegetarisch ernährte, war mit bis zu 35 Metern wohl etwa so lang wie ein Blauwal und bis zu 100 Tonnen schwer.
  • Die größte Papageienkolonie der Welt findet sich nicht etwa im Regenwald, sondern in der Steppe Patagoniens im Badeort Balneario El Condor. Die bunten Vögel hausen dort in einer kilometerlangen Felswand am Meer, ziehen abends in Schwärmen durch das Dorf und machen es mit ihrem "Gesang" unsicher.
  • Die höchste Temperatur in Argentinien und in ganz Südamerika wurde in der Kleinstadt Villa de María del Río Seco (Córdoba) mit 49,1 Grad Celsius im Jahr 1920 gemessen. Dies liegt deutlich unter den Rekordwerten Nordamerikas, Europas, Afrikas und Asiens, die alle über 50 Grad liegen.
  • Der kälteste Ort ist dagegen nicht etwa der Aconcagua oder das "Ende der Welt" Ushuaia, sondern das Valle de los Patos Superior in San Juan mit -39,0 Grad im Jahr 1972. Natürlich nur dann, wenn man die Antarktis außen vor lässt.

Gesellschaft und Kultur

  • Nicht Pop-, Fernseh- und Telenovelastars, sondern Revuetänzerinnen sind bis heute die Königinnen des Boulevards in Argentinien. Die unter der Bezeichnung "Vedettes" bekannten Primaballerinas bevölkern - meist leicht bekleidet - zahlreiche Theaterhallen in den großen Städten. Die Revues haben meist einen Comedy-Hintergrund, selten werden auch mal ernstere Themen angesprochen - immerhin gibt es inzwischen unter ihnen auch transsexuelle Stars. Von den Massenmedien bis ins letzte Detail verfolgt werden Streitigkeiten der "Vedettes" um die Vorherrschaft in der Revue-Szene, die vorzugsweise im Sommer ausbrechen, wenn die Theatershows durch die Touristenzentren des Landes touren.
  • Eine kuriose Freizeitbeschäftigung ist der Brauch, abends allein oder im Freundeskreis mit dem Auto eine Hauptstraße langsam hin- und herzufahren. Diese Art des "Flanierens im Auto" ist in vielen Provinznestern - aber auch in einigen größeren Städten wie etwa Neuquén - besonders bei jungen Leuten verbreitet. Dabei wird oft auch mal ausgestiegen und eine Zigarrette geraucht, schließlich geht es auch um's Sehen und Gesehenwerden. Manchmal bleibt man aber auch einfach im Auto sitzen. Dass diese Sitte als Tontódromo (etwa: Dummkopf-Rennbahn) bekannt ist, zeigt, dass argentinische "Landeier" durchaus zur Selbstironie fähig sind. Der Begriff stammt übrigens aus Spanien, wo er eine ältere Sitte des "sinnlosen" Flanierens bezeichnet - dort allerdings zu Fuß.
  • Ganz "unlateinamerikanisch" und äußerst geordnet geht es an den meisten argentinischen Bushaltestellen und Bahnhöfen zu: Hier wird in Reih und Glied vor dem Einsteigen Schlange gestanden. Auch Touristen sollten sich niemals vordrängeln.
  • Urargentinisch mutet das Bier Quilmes an, dessen Logo in blau-weiß der Flagge nachempfunden ist. Es war jedoch ein Deutscher, Otto Bemberg, der die Brauerei im Jahr 1888 gründete. Und heute gehört die Marke - bitter für Nationalisten - zum brasilianisch-belgischen Konzern AmBev.
  • Bis 2014 waren argentinische Internet-Domains gratis.
  • Der Mate ist in Argentinien nach wie vor als Heißgetränk beliebt - in allen Altersklassen. Völlig unbekannt ist dagegen der auf dem Matetee basierende Kultdrink Club Mate, der aus Franken stammt. Der Konzern Coca-Cola probierte es 2003 mit einem ähnlichen Rezept in Argentinien unter der Marke Nativa - es floppte.
  • McDonalds gilt in Argentinien nicht als Billigfood, sondern als gehobene Speisemöglichkeit. Denn lokale Fastfoodketten und Pizzerias sind meist deutlich preisgünstiger.
  • Viele Mythen über Nationen stellen sich nach kurzer Nachforschung als unhaltbar heraus. Nicht dazu gehört wohl, dass Argentinien mit 100 pro 100.000 Einwohnern die größte Psychologendichte der Welt aufweist: Es existieren etwa 40.000 arbeitende Psychologen bei 40 Millionen Einwohnern. Eine Studie der Interamerikanischen Gesellschaft für Psychologie bestätigte den Befund im Jahr 2000.


Politik und Geschichte

  • In der Stadt San Luis gab es in den Jahren 2003 und 2004 eine Zeitlang zwei Bürgermeister gleichzeitig. Nach Uneinigkeiten uber das Wahlprozedere hatten Stadtregierung und Provinzregierung einfach zwei konkurrierende Wahlen organisiert. Die Justiz musste einschreiten, um die Provinzposse zu beenden.
  • Gleich fünf Präsidenten in zwei Wochen wechselten sich in der Wirtschaftskrise 2001/02 ab. Zwischen dem zurückgetretenen De la Rúa und dem schließlich endgültig übernehmenden Duhalde waren zwei jedoch Interimspräsidenten, die das Amt nur des Protokolls wegen für wenige Tage übernahmen. Ernsthaft am Amt war allein Adolfo Rodríguez Saá interessiert, doch er warf nach einer Woche wegen fehlender Unterstützung aus seiner Partei das Handtuch.
  • Zwischen 1930 und 1976 gab es nicht weniger als sechs erfolgreiche Militärputsche - 1930, 1943, 1955, 1963, 1966 und 1976. Argentinien galt zu dieser Zeit als chronisch instabil. In den auf die Putsche folgenden Diktaturen erlebten Zehntausende Dissidenten ein schreckliches Ende in den Folterkerkern der Militärs.
  • Die Provinz Buenos Aires, damals einschließlich der Stadt Buenos Aires, war zwischen 1853 und 1860 ein eigener Staat - man lag mit dem Rest der Provinzen im Clinch.
  • Der konservativ-wirtschaftsliberale Ex-Präsident Carlos Menem wurde bei seinem Wahlsieg 1989 unter anderem von der Revolutionären Kommunistischen Partei und der Authentischen Sozialistischen Partei unterstützt.
  • Eduardo Angeloz (UCR) trat bei der Präsidentschaftswahl 1989 gleich für zwei Parteien an - mit zwei verschiedenen Kandidaten für das Vizepräsidentenamt. Da damals noch über Wahlmänner gewählt wurde, hätte er von den Stimmen beider Kräfte profitiert. Dies rettete ihn jedoch nicht vor der Niederlage gegen Carlos Menem.
  • In San Roque, einer Gemeinde in der Provinz Córdoba, erlangten bei der Bürgermeisterwahl 2015 die zwei führenden Kandidaten beide 270 Stimmen - Unentschieden. Die Wahl musste wiederholt werden.
  • In Argentinien war im frühen 20. Jahrhundert jeder Zehnte Anarchist - die anarchosyndikalistische Gewerkschaft FORA dominierte die Arbeiterbewegung.
  • Der linke Journalist Jorge Altamira trat zwischen 1989 und 2011 gleich fünfmal erfolglos als Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen an. Kurios: Er heißt eigentlich José Wermus, gab sich jedoch während der Militärdiktatur einen Allerwelts-Künstlernamen, um sich vor Verfolgung zu schützen. 2015 musste er sich in den Vorwahlen seiner Parteienfront einem jüngeren Genossen geschlagen geben - eine Ära ging zu Ende.
  • Die Antarktis bildet einen eigenen Wahlbezirk bei Präsidentschafts- und Kongresswahlen. Besonders Cristina Kirchner scheint immer wieder stolz zu sein, wenn sie dort die meisten Stimmen holt.


Städte und Orte

  • Es mag unglaublich scheinen, aber Buenos Aires war bis 2014 nicht eindeutig die Hauptstadt Argentiniens: Als neue Kapitale sollte laut einem 1987 verabschiedeten Gesetz Viedma in Río Negro ernannt werden. Das Gesetz war Teil einer Dezentralisierungsoffensive des damaligen Präsidenten Alfonsín, die Umsetzung wurde jedoch in den 90er Jahren abgebrochen. Gültig blieb das Gesetz jedoch noch Jahrzehnte danach, erst 2014 wurde es im Rahmen einer Rechtsvereinfachung zurückgenommen.
  • Die kleinste Provinzhauptstadt ist Rawson (Chubut) mit 26.306 Einwohnern (laut Zensus 2010). In dem Städtchen gibt es wenig zu sehen, aber immerhin zwei der schönsten Strände Patagoniens, Playa Unión und Playa Magagna.
  • Die kleinste Hauptstadt einer offiziellen administrativen Einheit ist Limay Mahuida in der Provinz La Pampa mit 75 Einwohnern. Immerhin ist die Einwohnerzahl der "Stadt" zwischen 2001 und 2010 um 9 Einwohner gewachsen.
  • Die flächengrößte Stadt Argentiniens ist nicht Buenos Aires, egal welche Definition man anwendet: Mit 41.317 Quadratkilometern - mehr als die Größe Nordrhein-Westfalens - ist Malargüe im extremen Süden der Provinz Mendoza die insgesamt ausgedehnteste Stadt - 99% des Stadtgebietes bestehen jedoch aus Bergland, Wüste und Steppe. Die Stadt mit dem größten bebauten Gebiet ist dagegen Córdoba mit einer bebauten Fläche von etwa 350 Quadratkilometern (Buenos Aires: 203).
  • Córdoba hat auch die meisten Stadtviertel aller argentinischen Städte, nämlich über 450 (die genaue Anzahl steigt alle paar Monate). Das kleinste Stadtviertel Las Delicias hatte 2001 ganze 6 Einwohner.
  • Doch auch Córdobas größter Konkurrent um den Platz hinter Buenos Aires, Rosario, hat einige Rekorde vorzuweisen. So wurden hier am 1. Dezember 2012 3733 Aids-Tests an einem einzigen Tag abgenommen, was dem Guinness-Buch der Rekorde einen Eintrag wert war. Außerdem steht in Rosario das größte Casino von ganz Lateinamerika mit 2000 einarmigen Banditen.
  • Nordelta ist der größte Privatort Argentiniens. Die eingezäunte Wohnanlage nördlich von Buenos Aires hat 11.000 Einwohner und eigene Schulen, Kliniken, Kinos und Restaurants.
  • El Cadillo ist der einzige Ort Argentiniens, dessen Gebiet sich über drei Provinzen erstreckt. Das kleine Dorf mit etwa 100 Einwohnern liegt genau auf der Grenze zwischen San Luis, Córdoba und La Rioja.
  • Obwohl die meisten Orte in Argentinien nach Generälen oder Heiligen benannt wurden, gibt es auch hier einige kuriose Ortsnamen. So gibt es in der Provinz Chubut das Dorf Cajón de Ginebra Grande, was übersetzt Großer Kasten Gin bedeutet. Der Name der Stadt Venado Tuerto in Santa Fe bedeutet Einäugiger Hirsch, während in Jujuy in Fraile Pintado ein bemalter Mönch sein Unwesen treibt. Nicht besonders einladend klingt dagegen der Ort Guanaco Muerto in Córdoba, der "totes Guanako" (ein mit dem Lama verwandtes Wildkamel) bedeutet.


Technik und Verkehr

  • Als prototypischer argentinischer Erfinder wird der in Ungarn geborene László Bíró mit einem eigenen Gedenktag - dem "Tag der Erfinder" - verehrt. Bíró hatte im Jahr 1938 den Kugelschreiber erfunden. Allerdings lebte er während der Erfindung noch in seinem Geburtsland und wanderte erst Ende des Jahres nach Argentinien aus. Dort machte er jedoch seine Erfindung ab 1943 populär, die bald darauf den Siegeszug rund um die Welt antrat. Auch ein frühes Automatikgetriebe, der Deo-Roller, ein Fieberthermometer und ein Kunststoff gehen auf Bírós Konto.
  • In Buenos Aires gibt es seit den 70er Jahren eine weithin sichtbare abgebrochene Autobahnbrücke, die ausgerechnet in das exklusive Hafenviertel Puerto Madero ragt.
  • Der höchste Straßenpass Südamerikas, der Abra del Acay, liegt zwischen San Antonio de los Cobres und La Poma auf etwa 4.970 m Höhe, also 160 Meter über dem Gipfel des Mont Blanc.
  • Der exzentrische Ex-Präsident Carlos Menem wollte in den 90er Jahren einen Flughafen für neuartige Überschallflugzeuge nach Japan installieren. Dies sagte er zumindest bei einer Rede vor einer Schulklasse - ein konkreter Plan ist nicht bekannt.
  • Mit Pauken und Trompeten weihte die Nationalregierung im Jahr 2009 eine Stadtbahn in Córdoba ein. Bis 2013 fuhr der Zug nur ein paarmal hin und her und wurde dann wieder stillgelegt, weil die Strecke eigentlich noch lange nicht fertig war. Das wahre Eröffnungsdatum ist bis heute ungewiss.
  • Auch ein ebenfalls großspurig angekündigter Schnellzug von Buenos Aires nach Rosario und Córdoba landete nach Finanzierungsproblemen wieder in der Schublade. Ärgerlich für den Steuerzahler: Für das "Projekt" wurde Jahr für Jahr ein sechs- bis siebenstelliger Betrag an die zukünftigen Betreiber ausgezahlt.
  • Geld hatte die Nationalregierung dagegen für einen internationalen Flughafen in der 30.000-Einwohner-Stadt Termas de Río Hondo. Der Flughafen bekommt nur zweimal in der Woche Besuch von Flugzeugen. Besonders skurril: Nur etwa 60 Kilometer trennen ihn von den beiden nächsten Verkehrsflughäfen in Santiago del Estero und in Tucumán.
  • Die Provinz San Luis ist trotz ihrer geringen Bevölkerungsdichte von Autobahnen durchzogen. So verbindet eine 250 km lange Autobahn die Stadt Villa Mercedes mit den vier Dörfern Buena Esperanza, Nueva Galia, Anchorena und Arizona - keines hat mehr als 3.000 Einwohner.

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